Wie günstig darf Design sein?

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Wie günstig darf Design sein?»Superspartag«, »Billig will ich«, »Gut & günstig«, »Wir können nur billig«, »Geiz ist geil« diese aus der Werbung bekannten Slogans beschreiben eigentlich gut unsere Einstellung zu den Produkten, die von der überwiegenden Mehrheit der Deutschen konsumiert werden. Die Qualitätsansprüche sind groß – die Preisvorstellung klein. Und Gestaltung? Wie günstig darf es denn bitte sein?

Nach einem ausführlichen Briefing zwischen Auftraggeber und Agentur wird es spannend, die Frage nach dem Preis fällt an… Da ein genauer Preis direkt nach dem Briefing in den seltensten Fällen genannt werden kann, muss der Auftraggeber sich meistens noch einige Stunden gedulden, bis das schriftliche Angebot vorliegt. Anschließend wird es bestätigt oder gefeilscht: »Wir hatten eigentlich an folgenden Preis gedacht…« »Kostet eine Internetseite wirklich so viel?« »Ist der Preis der Broschüre inkl. Druckkosten?« »Kann man an dem Preis noch etwas machen?« – diese Fragen sind leider keine Seltenheit. Doch ist die Frage berechtigt, ob in einer anderen Lebenssituation genauso gefeilscht wird und wieso der kreativen Leistung so wenig Verständnis entgegen gebracht wird. Folgender Spot spielt ein wenig mit dieser Situation:

(Leider konnten wir den Urheber dieses Films nicht herausfinden)

So weit so gut – selbstverständlich kann immer am Preis etwas geändert werden, aber das hat meistens Folgen: Wenn die Webseite nicht für mobile Endgeräte optimiert wird, kann man in der Webseiten-Entwicklung den Preis noch etwas nach unten schrauben. Wenn ein Slider nicht animiert, sondern statisch eingebunden wird, sind es ebenfalls weniger Arbeitsstunden. Wenn man die Beiträge auf der neuen Webseite nicht direkt über einen klick z.B. auf Facebook oder Twitter teilen kann, muss kein Plugin installiert, eingebunden und angepasst werden – somit haben wir hier wieder Arbeitsschritte gespart, aber auf welche Kosten? Der Auftraggeber hat gespart und zwar ganz klar an der Qualität des Produkts. Im Endeffekt haben wir anschließend eine Webseite, die nicht einwandfrei auf mobilen Geräten funktioniert – die Webseite wirkt statisch da auf eine Animation verzichtet wurde und Socialmedia Funktionen hat die neue Seite auch nicht. Somit hat der Auftraggeber eine neue Webseite, die allerdings nicht mehr zeitgemäß ist. Das bedeutet, entweder wird es den Kunden vom Auftraggeber negativ auffallen und/oder die Webseite muss später nachgerüstet werden – was natürlich wieder Geld kostet.

Also ist billiges Design, wirklich günstig? Fest steht, auch ein Ford Fiesta Baujahr 1991 bringt mich von Köln nach Hamburg, aber eine Fahrt mit einem Mercedes ist doch deutlich komfortabler, sicherer und hat eine größere Wirkung nach außen, oder?



Veröffentlicht von Marc Loecke am 24. Januar 2013 in der Kategorie »Design« mit den Schlagwörtern: , , , ,

Artikel kommentieren

Kommentar